
Entstehung und Entwicklung des Luxemburger Studentenvereins in Köln
Dem Vorbild ihrer Kommilitonen in damals über 30 europäischen Universitätsstädten folgend, taten sich die Luxemburger Studenten in Köln im Dezember 1992 zusammen, um einen Luxemburger Studentenverein in ihrer "zweiten Heimat" zu gründen. Derartige Vereinigungen haben lange Tradition: "D‘Lëtzebuerger zu Le‘wen", die Luxemburger Studentenvereinigung in Leuwen (Louvain-la-Neuve) bei Brüssel wurde bereits 1880 gegründet. Der "Akademische Verein d‘Lëtzebuerger (AVL)" in Aachen feierte 1997 sein hundertjähriges Bestehen. Bereitßs diese beiden Beispiele machen deutlich, daß die Gründung eines entsprechenden Vereins in Köln lange auf sich warten ließ. Dabei scheint Köln durchaus eine lange Tradition als Studienstandort für Luxemburger zu haben. So konnte man am 9. Januar 1993 in einem Artikel Carl DIETMARs im Kölner Stadtanzeiger erstaunt lesen:
"Im - vergeblichen - Bemühen, eine ‘gudte Polizey’ zu halten, ein geordnetes Staatswesen zu schaffen, forderten die Ratsherren etwa im Oktober 1574 die Kölner auf, Schweine von der Straße fernzuhalten; und zugleich wurde beschlossen, ‘müßiggängerische Elemente’ wie Schotten, Wallonen, Luxemburger Studenten und, wieder mal, Zigeuner aus der Stadt zu werfen." (Hervorhebungen durch die Autorin)
Demnach würde es die Luxemburger Studenten bereits seit mehr als 400 Jahre nach Köln ziehen. Es stellt sich somit die berechtigte Frage, wieso es schließlich gerade 1992 zur Gründung eines derartigen Vereins kommen sollte. In diesem Zusammenhang muß bemerkt werden, daß nach Informationen des Akademischen Auslandsamtes der Uni Köln bereits Jahre vorher einige Luxemburger Studenten mit dem Gedanken einer solchen Gründung gespielt hatten, der letzte Schritt jedoch offenbar nie getan wurde.
Vermutlich war die Situation Anfang der 90er Jahre eine besondere. Im Jahr 1992 waren allein ein gutes Dutzend Luxemburger im Bereich Sonderpädagogik an der Heilpädagogischen Fakultät der Universität zu Köln eingeschrieben. Durch die vorgeschriebenen Praktika, welche z.T. von diesen Studenten in Luxemburg am "Centre de Logopédie" (kombinierte Gehörlosen-, Schwerhörigen-, Sprachbehindertenschule) absolviert wurden, kannten diese sich gegenseitig und trafen sich mehr oder weniger regelmäßig einmal die Woche in Köln zum gemeinsamen Kochen, zum Gedankenaustausch, aber auch zu Spieleabenden und diversen anderen Aktivitäten. Besonders praktisch und geldsparend waren die Fahrgemeinschaften, die für die Hin- und Rückfahrten zwischen Köln und Luxemburg gebildet wurden. Zu der oben genannten Gruppe gesellten sich ein paar Studenten anderer Fachbereiche, welche den einen oder anderen der "Sonderpädagogen" kannten (in Luxemburg kennt man sich eben). Mit der Zeit wurde der Bekanntenkreis so groß, daß die wöchentlichen Zusammenkünfte von den Studentenwohnungen in eine Kneipe verlegt werden mußten. Im Sommersemester 1992 trafen sich mittwochs abends regelmäßig zwischen 15 und 20 Personen im Café Krümel im Zülpicher Wall. Gegen Ende des Semesters machte von Zeit zu Zeit ein Gast beim Betreten des Cafés die Bemerkung: "Ach, die Luxemburger sind wieder hier!"
Zu dem Zeitpunkt wurde bereits über die Gründung eines Vereins diskutiert. Einige Zweifel wurden jedoch geäußert:
- In den Universitätsstädten, in denen viele Luxemburger studieren (z.B. 800 Luxemburger in Brüssel, 550 in Straßburg, 180 in Aachen), besteht die Gefahr, durch die Teilnahme am Vereinsleben wenig von der kulturellen Eigenart der Stadt und des entsprechenden Landes mitzubekommen. Der Studentenverein kann sich zu einer Art Mikrokosmos entwickeln, den man die ganze Woche über nicht verlassen muß. Darin sahen die Studenten in Köln nicht den Sinn einer derartigen Gemeinschaft, hatten aber Angst, die Eigendynamik eines solchen "Klubs" nicht kontrollieren zu können. Allerdings wurde durch die Diskussion klar, daß diese Gefahr in Köln eigentlich sehr klein ist, da bedingt durch die Größe der Stadt, ihre außergewöhnlich große kulturelle Vielfalt, die große Anzahl an Hochschulen und die im Vergleich dazu sehr kleine Zahl an Luxemburger Studenten, die Gefahr des ständigen Zusammenhockens und "Klüngelns" eigentlich als sehr klein einzustufen ist.
- Hinzu kamen Bedenken von seiten einiger Sportler. Während der Weihnachtsferien findet nämlich in Luxemburg jedes Jahr ein Wettbewerb in den Sportarten Fußball, Volleyball und Basketball zwischen Mannschaften von Luxemburger Studenten der verschiedenen in- und ausländischen Hochschulen bzw. Universitätsstädte statt. Die Luxemburger Studenten aus Aachen freuten sich gelegentlich über die Unterstützung des einen oder anderen Basket- oder Volleyballers (besonders auch weil im Volleyball die Beteiligung von zwei weiblichen Mitspielerinnen vorgeschrieben ist, Frauen aber in Aachener Studentenkreisen Mangelware sind). Man war sich aber nicht sicher, ob diese "Fusion" auch noch nach der Bildung eines eigenständigen Vereins möglich wäre. (Später stellte sich heraus, daß dies kein Hinderungsgrund sein sollte.)
Auf jeden Fall wurde aber beschlossen, an der jährlich im November in den Messehallen in Luxemburg stattfindenden Informationsmesse für Abiturienten und angehende Studienanfänger teilzunehmen. In diesem Sinne wurde Kontakt zum Akademischen Auslandsamt (A.A.) der Uni Köln aufgenommen, welcher sich als sehr fruchtbar erweisen sollte. Der damalige Leiter des Akademischen Auslandsamtes, Herr C. A. Paulig, unterstützte die Idee der Vereinsgründung und bot seine Mithilfe an. Er setzte u.a. eine Einladung für ein "Gründungstreffen" auf, die sich an alle Luxemburger Studenten richtete und in der in kurzen Worten der Zweck eines solchen Vereins erklärt wurde. Die Einladung wurde vom A.A. an alle an der Uni immatrikulierten Luxemburger verschickt (aus Datenschutzgründen durften die Namen und Adressen nicht ausgehändigt werden). Begleitet wurde diese Einladung von einem Schreiben dreier Luxemburger Studenten, Pierre Backes (Uni), Thierry Kneip (FH) und Claudine Muller (Uni). Beide Schreiben wurden auch vom Ausländersekretariat der Fachhochschule Köln an "deren" Luxemburger Studenten verschickt.
Das Treffen sollte am 2. Dezember 1992 im Keller des damaligen "Hellers Brauhaus" in der Roonstraße stattfinden. Aus Platzgründen hatte man sich im Wintersemester auf diesen neuen Treffpunkt geeinigt, zumal die Zeit des "Terassenwetters" vorbei war. Es fanden sich sage und schreibe 39 Luxemburger Studenten ein, wovon sich 8 Leute bereit erklärten, einem Gründungsvorstand beizutreten und den anfänglich anfallenden Papierkram auf sich zu nehmen. Diese 8 Leute wurden somit auch zu den offiziellen Gründungsmitgliedern des Vereins:
Pierre Backes
Patrick Bintz
Thierry Kneip
Nicole Mersch
Claudine Muller
Nadine Rischard
Martine Scholer
Fernand Spautz
Es stellte sich das Problem der Namensfindung für den neuen Verein. Der erste Gedanke war es, den Verein "Lëtzebuerger Studenten zu Köln", kurz "LSK", in Anlehnung an viele andere Studentenvereine zu nennen. Es existierte allerdings schon ein "LSK" und zwar nannten die Studenten aus Kaiserslautern sich so. Es boten sich diverse Alternativen an, wie z.B. "Kölsch" (Kölner "Sch"tudenteclub). Schlußendlich einigte man sich aber mit Rückgriff auf die altertümliche Schreibweise des Stadtnamens auf "Lëtzebuerger Studenteclub Cölln", kurz "LSC", einige Jahre später umgewandelt in "Lëtzebuerger Studenten zu Cölln". Die acht Vorstandsmitglieder verbrachten lange Abende bei heftigen, aber interessanten Diskussionen über die dem Verein zugrunde zu legenden Statuten (mit dem Ziel, den Verein in Luxemburg als "a.s.b.l." einzutragen; entspricht der deutschen "GmbH"), um endlich Ende Januar eine endgültige Form vorlegen zu können. Eingereicht wurden sie allerdings erst am 24. Juni 1993. Am 26. Dezember 1992 war der LSC während der Jahresversammlung der ACEL (Association des cercles d‘étudiants luxembourgeois), dem Dachverband aller Luxemburger Studentenvereine, als offizielles Mitglied beigetreten.
Nachdem es im Wintersemester 92/93 zwar zu einigen weniger offiziellen, aber sehr amüsanten Treffen mit den Luxemburger Studenten aus Aachen gekommen war, konnte sich ab Sommersemester 1993 endlich überwiegend den eigentlichen Zielen des Vereins gewidmet werden:
- Die Luxemburger Studenten in Köln repräsentieren und ihre Interessen vertreten.
- Das Studentenleben in Köln beleben, die Freundschaft und Solidarität unter den Studenten fördern.
- Freundschaftliche Beziehungen zu ehemaligen Mitgliedern, zu Luxemburger Studenten an anderen Hochschulen und zu ausländischen Studenten fördern.
- Veranstaltungen organisieren, um diese Zielsetzungen zu erfüllen.
Bezeichnenderweise war der wöchentliche Stammtisch in jenem Semester in das Café "Luxemburg" in der Luxemburgerstraße am Südbahnhof verlegt worden. Wie bereits hervorgehoben wurde, gab es gute Kontakte zu der ALESONTIA, dem Verein der Luxemburger Studenten in Bonn, und besonders zu dem Akademischen Verein d‘Lëtzebuerger in Aachen. Dabei war die Verbindung zu Aachen bestimmt z.T. auch darauf zurückzuführen, daß sich der Verein in Aachen fast ausschließlich aus männlichen Studenten zusammensetzte, während zu der Zeit ein großer Teil der Luxemburger Studentenschaft in Köln weiblichen Geschlechts war. Der AVL machte im Sommersemester 93 denn auch dem LSC das Angebot, in Luxemburg eine (für Studentenvereine übliche) Fete zu veranstalten, um dem "jungen Nachbarn" zu einem Startkapital zu verhelfen. Dieser Studentenball fand am 25. Juni 1993 in der Diskothek Visage statt und war ein voller Erfolg. Leider setzte der Lokalinhaber sich mit der Abendkasse und diversen anderen Geldern ins Ausland ab, so daß beiden Vereinen (trotz Gerichtsverfahren) lediglich die Einnahmen aus dem Vorverkauf blieben. Trotzdem bedeutete dies für den jungen LSC eine gewisse Erleichterung und die Verbindung zu Aachen wurde gefestigt.
Neben den zahlreichen Einladungen nach Aachen und Bonn sowie zur jährlichen Feier des Luxemburger Nationalfeiertages in der Kölner Residenz des Luxemburger Botschafters wurden regelmäßig Veranstaltungen vom LSC selbst organisiert. Im folgenden sollen nur die wichtigsten aufgelistet werden, um die (weitere) Entwicklung des Vereins zu veranschaulichen. Daneben wurden eine ganze Reihe von Besichtigungen, weiteren sportlichen und andersartigen Aktivitäten angeboten. Auch war der LSC seit seiner Gründung jedes Jahr bei der Réel (Réunion européenne des étudiants luxembourgeois), welche jährlich während 4 bis 5 Tagen von der ACEL in Zusammenarbeit mit einem oder zwei Studentenvereinen organisiert wird, durch eine Delegation vertreten (1998 in Wien, 1997 in Aachen und Köln mit an der Organisation beteiligt, 1996 in Manchester, 1995 in Aix-en-Provence und Montpellier, 1994 in Luxemburg, 1993 in Straßburg). Auch sollte noch hervorgehoben werden, daß die Luxemburger Studenten in Cölln, im Gegensatz zu manch anderem ähnlichen Verein, stets Wert darauf legten, daß "nichtluxemburger" Studenten an den Veranstaltungen teilnahmen und auch immer noch –nehmen.














